Studentische Projekte: Freie Studenten für Freie Software
"Zu unserer Natur gehört die Bewegung.
Die vollkommene Ruhe ist der Tod." -- Blaise Pascal
Studentische Projekte?
Liebe Kommilitonen, jedes Semester bezahlt Ihr eine ganze Stange Geld
für Euer Studium. Von den 186,-- Euro, die übrigens bis Ende Juni
mal wieder fällig sind, geht ein Großteil für das
Semesterticket, die Rückmeldegebühr und das Studentenwerk Potsdam
drauf. Der kleinste Teilbetrag, ganze 10,-- Euro, gehen an die
Studierendenschaft unserer Hochschule und werden als Aufwandsentschädigung
für die im AStA aktiven Studierenden, diverse Aktionen an der Hochschule
und natürlich für studentische Projekte ausgegeben. Auch wenn die
Bedingungen für die Vergabe von Geldern für studentische Projekte
unverhältnismäßig streng sind -- die Kohle darf weder
verpraßt noch versoffen werden und es müssen sich auch noch mindestens
drei (3!) Studenten finden, die gemeinsam etwas machen wollen -- bietet uns
unser AStA damit eine ganz tolle Möglichkeit, Fahrten zu Messen und
Kongressen zu organisieren oder Veranstaltungsideen umzusetzen. Eines der
größeren Projekte dieser Art ist der Brandenburger
Linux-Infotag (BLIT). Er wurde bereits zweimal vom AStA bezuschußt.
Freie Studenten für Freie Software!
Linux-Infotage gibt es inzwischen überall in Deutschland. Auf ihnen
treffen sich nicht nur Linux-Begeisterte, vielmehr sind sie zu
anerkannten Diskussionsforen rund um Freie Software, Hacker-Kultur
und alternative Gesellschaftsformen geworden. In der Stadt Brandenburg ist
in diesem Sinne die Brandenburger Linux User Group (BraLUG
e.V.) aktiv. Wie Ihr alle wißt, bieten wir regelmäßig
Vorträge und Workshops rund um Linux und Freie Software an. In der Regel
findet bei uns jeder Hilfesuchende ein paar offene Ohren und helfende
Hände. Die vergangenen zwei BLITs, jeweils zum Tag der offenen Tür
im Informatik-Zentrum, stellten zweifellos eine große Bereicherung
für die Hochschule dar: Etwa 400 Besucher kamen im vergangenen Jahr,
leider kaum 300 in diesem April zu unserer Veranstaltung. Sie nahmen an
Vorträgen teil, informierten sich über verschiedenste Projekte im
Bereich der Freien Software, suchten und fanden hier und da das Gespräch
mit Entwicklern, löteten an Lüftersteuerungen für die eigenen
PCs oder probierten einfach nur die neuesten Linux-Spiele aus.
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, daß die Organisation so eines
Ereignisses Spaß macht. Ja, tut es. Wirklich! Allerdings kann sie nicht
vom Verein alleine getragen werden -- wir sind auf viele Arten von
Unterstützung angewiesen. In diesem Zusammenhang müssen wir uns
insbesondere bei der FHB und dem Fachbereich Informatik und Medien für
die Bereitstellung der Räumlichkeiten, der Infrastruktur und für
diverse logistische Unterstützung bedanken. Unglaublich wichtig waren
aber auch alle, die uns finanziell unterstützt haben. So wurden
beispielsweise die Gelder der Studierendenschaft für Werbeaktionen mit
Faltblättern und Werbekärtchen ausgegeben. Darüber hinaus
bekamen viele der Referenten die Ihnen entstandenen Fahrtkosten erstattet.
Von den derzeit knapp 25 Mitgliedern unseres Vereins sind zehn Studenten.
Studenten, die sich insgesamt bestimmt einen Monat Zeit genommen haben,
den diesjährigen BLIT zu organisieren. Keinesfalls möchte ich
dabei jedoch die vielen Arbeitsstunden unterschlagen, die von den
Nicht-Studenten des BraLUG e.V. und den Mitgliedern der Linux User Group
der Uni Potsdam geleistet wurden -- dennoch: Da waren Studenten, die ein
Projekt mit ins Leben gerufen und betreut haben. Für sich selbst,
für die Öffentlichkeit aber zu einem großen Teil für
Euch. Aber Ihr wart nicht da. Wo wart Ihr? Es kamen Besucher aus Stralsund,
aus Chemnitz und aus Leipzig angereist, aber von den ortsansässigen
Studenten findet man immer nur eine Handvoll.
Ich frage mich häufig, was man an dieser Hochschule eigentlich
veranstalten muß um auf Resonanz seitens der Studierenden zu treffen.
Ende Januar haben wir in der Maschinenhalle des Fachbereichs Technik eine
Clusternight
organisiert. Gerechnet wurde dabei eine nette Animation und heraus kam ein
tolles Video -- es ging also um den Aufbau einer verteilten
Rechnerinfrastruktur (Technik und Informatik) und ganz viel um bunte Bilder
(Mediengestaltung). Aber wiederum waren von den 60 Teilnehmern maximal ein
Viertel Studenten der FHB. Suchen wir nach weiteren Beispielen: Das Sommerfest
vom 3. Juni hatte knappe 700 Besucher. Studenten? Vielleicht 100,
hoch geschätzt.
Es ist einzusehen, daß an einer technisch und wirtschaftlich orientierten
Hochschule das Studieren eher als der Erwerb einer Berufsqualifikation
denn als Selbstzweck oder als Eroberung neuer Horizonte verstanden wird. Aber
vergeßt bitte nicht, daß es oftmals jene Fähigkeiten sind,
die Ihr nicht in der Vorlesung lernen könnt, die Euch aber letztlich
auch beruflich weiterbringen. Mit welcher Qualifikation wollt Ihr Euch denn
in ein paar Jahren auf die Euch zustehenden Führungspositionen bewerben?
Mit der Aussage "Ich habe brav auswendig gelernt, wie's geht"?
"Die Studenten sind desillusioniert und haben andere Sorgen. Deshalb
kommt es an den Hochschulen nicht zum Aufstand gegen die
Studiengebühren", so beschrieb Jan Friedmann vor einem Monat
die Lage der Republik in einem Zeit-Artikel. Aber wir wollen das nicht
wahrhaben. Deshalb machen wir weiter und bieten auch in Zukunft freie
Bildung an. Nur eine geteilte Idee ist eine richtig verwertete Idee.
Nur eine teilbare Software ist eine richtig verwertbare Software!
Jan Tobias Mühlberg,
2. Vorstand des BraLUG e.V. und Student an der FHB jtmuehlberg@gmail.com